Ehre!

(Finale Dähnepokal)


Wie allgemein (?!) bekannt, qualifizieren sich die letzten beiden Spieler auf Hamburger Ebene für die deutsche Endrunde - aus sportlicher Sicht bestimmt das Wichtigste. Der Sieger nimmt noch die Ehre, die Plakette und einen Freiplatz für die HEM mit. Aber bedenkt man, daß ein Finalist auf Hamburger Ebene mit Sicherheit eh so stark ist, daß er jederzeit auch so einen Freiplatz bekäme, so verwundert es nicht, daß schon Finales auf dem Gästeklo nach 3 Zügen Remis geschoben und dann ausgeblitzt wurden. (Leichte rhetorische Übertreibung inbegriffen.)
Nicht diesmal. Das Finale fand angemessen zusammen mit dem Christoph-Engelbert-Gedenkturnier des HSK statt. Kuberczyk hatte weiterhin endlos Farbglück (da Schach ein Spiel für eine weiße und eine schwarze Partei ist, muss auch jemand endlos Farbpech haben - Tipp: fängt mit Hau an und hört mit ke auf) und ging gegen Keyser hochfavorisiert ins Rennen. Schon nach wenigen Zügen stand eine sehr unremisige Stellung auf dem Brett, und es sah beinahe danach aus, als wollte man länger als das gesamte obige Turnier, IM- plus GM-, spielen. Aber dann zeigte sich doch, daß die schwarze Stellung sehr perspektivlos war, so daß am Ende selbst ein etwas unpräzises Qualitätsopfer sie wie ein Kartenhaus zusammenfallen ließ.
Sparsame Kommentare von H.R. gemäß gemeinsamer Analyse:

Kuberczyk-Keyser,P.
1.Sf3 c5 2.c4 Sc6 3.Sc3 e5 4.e3 Sf6 5.d4 e4 6.Se5 cxd4 7.exd4 Lb4 8.Le2 Da5 9.Sxc6 bxc6 {Gemäß der alten Regel "dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" war 9...Bxc3+ wohl vorzuziehen.} 10.Ld2 O-O 11.O-O d5 12.a3 Lxc3 13.Lxc3 Db6 14.c5 Dc7 15.b4 Te8 16.Ld2 a6 17.a4 Tb8 18.Tb1 Sd7 19.Dc1 Dd8 20.Lg5 f6 21.Lf4 Ta8 22.b5 axb5 23.axb5 Lb7 24.Dc3 Sf8 25.Ld6 Se6 26.bxc6 {b6 war sicher auch eine Option, aber kann Weiß dann am engen Damenflügel auch durchbrechen?} 26...Lxc6 27.Tb6 Dd7 28.Lg4 g6 29.h4 f5 30.Ld1 Tec8 31.Lb3 Sd8 32.Dg3 Sf7 33.Lf4 Dd8 34.Tb1 Ta3 35.h5 g5 36.Lc1 Taa8 {Ach wäre der doch nach a7 gegangen...Dummerweise fehlt er dann eventuell auf der Grundreihe.} 37.Dh3 Sh6 38.Dg3 Sf7 39.Dh3 Sh6 40.Txc6 {Falschrum! 40.Lxg5 Dxg5 41.Txc6 Txc6 42.Lxd5 gewinnt bequem 2 Bauern.} 40...Txc6 41.Lxg5 Dd7 42.Dg3 Kf8...


43.De5 {Der Berichterstatter hätte natürlich nach 2 Sekunden Nachdenken 43.La4 gezogen. 43...Txa4 44.Lxh6+ ist sofort platt, allerdings kann Schwarz sofort die Qualität zurückgeben, insofern ist nicht so klar, ob der Textzug nicht doch nachhaltiger ist.} 43...Sf7 44.Dxd5 Ta7 45.Le7+ {Auch das kostete den Kiebitz nur eine Zehntelsekunde, allerdings hatte Weiß die Qual der Wahl zwischen zuvielen guten Zügen. So würde 45.Dxd7 Dxd7 46.La4 die Qualität sicher zurückerobern, allerdings nur mit einem Mehrbauern.} 45...Kxe7 46.Dxf7+ Kd8 47.Df8+ Kc7 {Nötig war 47...Qe8 48.Qxf5, was wohl auch trostlos ist, aber wenigstens trostlos und Mehrqualität. Den technischen Teil spielt Weiß ohne jedes Wackeln runter:} 48.La4 Tb7 49.Txb7+ Kxb7 50.Lxc6+ Kxc6 51.Df6+ Kd5 52.De5+ Kc4 53.Dd6 Df7 54.c6 Dxh5 55.Dc5+ Kd3 56.Dc1 De8 57.c7 Dc8 58.d5 1-0
Irgendwie war es auch symbolisch, daß heute ein Christoph gewonnen hat. Der HSchV gratuliert.


Hauke Reddmann