100 Jahre "Die Schwalbe"
Eine Mikroschwalbe
Also, da gips sonn obskures Zeuch, das nennt sich "Problemschach".
Viele werden wissen, daß ich selber Problemkomponist bin, habe ich doch schon
einige meiner Artikel mit Original-Problemen illustriert - fast 30 sind es.
(Nebenbei: Auch die Etablierung eines regelmäßigen Problemlöseturniers, wie es
unsere Nachbarn Schleswig-Holstein und Niedersachsen machen, wollte ich schon mal
versuchen, aber daraus wurde mangels Interesse leider nix.)
Weniger wissen (aber kommt in D nicht überraschend), daß es einen Verein zur Förderung
des Problemschachs gibt, der nennt sich "
Die Schwalbe" (eigene Geschichte, s.u.)
und hat gerade in Essen sein 100jähriges Jubiläum gefeiert, der r.R. musste
natürlich hin, auch wenn er nur wenige der JHVs besucht. Abenteuerurlaub DB,
aber die Geschichten gehören nicht hierher 😊
Und ganz überraschend mag es sein, daß "
Die Schwalbe" ein spezialgelagerter
Sonderverband des DSB ist, mit allen Verbandsrechten, inklusive Stimme und Zaster.
(Bis auf das Recht, einen Spieler zur DEM zu schicken. Darauf sind sie noch nie gekommen.
Allerdings - HR ist keineswegs die spielstärkste
Schwalbe, und heute schon mal
gar nicht mehr.) Natürlich hat auch der DSB einen kleinen
Jubiläumsartikel veröffentlicht.
Ich kann allen Vereinstrainern nur ans Herz legen, im Jugendtraining auch mal
ein paar Problemschachaufgaben zu verwenden. Das steigert die Kreativität
wissenschaftlich nachweislich! (H. Reddmann, n=1-Statistik, unveröff. 😊)
Ich bin da nicht ganz eigennützig, die Problemisten haben aus naheliegenden
(Hobby-Konkurrenz) und weniger naheliegenden (Eingehen von Problemspalten
in Printmedien) ein böses Nachwuchsproblem - HR war beinahe der Gesichtjüngste
auf der JHV 😊 Werbung war ein großes Thema der JHV, und man glaubt es kaum,
Internet ist für die
Schwalbe kein Neuland: schaut doch einfach mal in den Kanal
"Mustermatt" auf Youtube rein, wo Problemschach leichtfasslich und unterhaltsam erklärt wird.
(Demnächst auch mit typisch HR-mäßigem HR-Content? LOL! Stay tuned!)
Der HSchV wünscht seinem "Nachbarverband" noch viele weitere Jahre guten Flug und
dieser kleine Zweizüger von HR ist der Schwalbe zum Hundertsten gewidmet!
"Eine Mikroschwalbe"
Hier die Geschichte. Namensgeber der Schwalbe ist ein Vierzüger von
Kohtz und Kockelkorn,
die langen Damenzüge erinnerten damals an den Flug einer Schwalbe (Künstler haben
die wildesten Assoziationen 😊) und so entstand der Name. Im Zweizüger
kann man so natürlich nur ein Küken darstellen...Lösung mit Problemschachdetails:
In Weiß auf Weiß (zum Lesen den Leerraum unten mit der Maus markieren, oder alles mit CTRL-A):
1.Da8? droht 2.Dxf3#, und hofft auf die Parade 1...hxg4 nebst 2.Dh8#
(die Schwalbe fliegt ins Nest zurück), doch nach 1...Se5 ist der Wurm drin.
Daher besser 1.Da1! droht 2.Dxc1#, und nun ist 1...hxg4 2.Dh8# das Gleiche wie
vorher, es sei denn, Schwarz versucht 1...f2, wonach sich die Schwalbe doch
noch mit 2.Da8# in der Ecke niederlässt. Thema der Aufgabe sind natürlich wieder
die langen Züge der Dame hin und zurück. Solche Details, daß es eine Verführung
nach a8 gibt, und in der Lösung die Dame doch noch auf diesem Feld landet, gelten
als "moderne Kunst", von der der heutige Zweizüger nur so wimmelt, weil sich die
"klassischen" Themen erschöpft haben. Ich rate aber dem Problemanfänger, wie beim
Partieschach: mit der Klassik anfangen, Morphy vor Nimzowitsch!
Hauke Reddmann