5. Runde OL NN

Überlänge


Foto: Frank Müller

Auf Pauli war am Sonntag Großkampftag. Es spielte in der 2. BL die Erste gegen HSK 2, in der OL NN die Zweite gegen Doppelbauer Kiel 3, und in der LL die dritte gegen Diogenes. (Hier gleich mal ein Dank an Hugo und Andi, die eurem rasenden Schirireporter bei technischen Sachen wie Eingabe von Aufstellung und Partien unter die Arme griffen - ich bräuchte schon ein Handy der Mindestgröße 1m x 1m, um mit meinen Wurstfingern irgendwas einzugeben und würde es trotzdem kaputtmachen :-)
Die beiden anderen Kämpfe habe ich nur flüchtig betrachtet, weil meine "eigenen" Partien viel zu spannend waren. OK, vermutlich nicht die erste an Brett 2, die nach 20 Zügen remis endete. Man hätte auch auf dieses Ergebnis bei einem Sportwettenveranstalter der eigenen Wahl wetten können und vermutlich bei einem Einsatz von einer Million genau 10 Pfennig Gewinn gemacht. :-)
An 1 und 3 hingegen ist Pauli, so wie es aussah, in vorbereitete Varianten gelaufen. An 1 gähnt die Engine nur, Schwarz kann beide Bauern eintüten (+0.2), aber dann muss jeder Zug sitzen. Das tat er auch bis ins Mittelspiel, aber für den einen Bauern (den anderen muss er sofort wieder rausrücken) hat er lange zu leiden bei mangelnder Koordination. Der erste kreative Ansatz führte sofort die Dame auf Abwege, dann zu einem fetten Turmopfer von Weiß und...einem Remis durch Dauerschach, weil Weiß viel zu viel Zeit verballert hatte. (HRs beide alternativen Zugvorschläge sind beide fett gewonnen, aber er kann ja auch blitzen wie der Henker.)
An 3 hingegen galt die alte Najdorf-Regel: Achte zu jeder Zeit auf reinfliegende Springer auf e6, f5, d5 und b5. Gelegentlich tut es auch ein Läufer wie hier. Noch war nur ein Bauer futsch und die Stellung gleich, aber Schwarz ließ sich statt Rache auf e4 auf eine große Holzerei ein, wobei ein Gaul gleich eine Dame und einen Turm ins Jenseits schickte. Da Weiß sich aber inzwischen genauso bediente, endete die Sache, daß der fette Gaul im Sumpf h1 steckenblieb.
An 5 endete es in Zeitnot noch ärger. Weiß erreichte hier mit London weniger als nichts, weil Schwarz e5 durchprügelte. (HR kann gerne mit Theoriekenntnissen aushelfen...klar doch :-) Doch in arger Zeitnot setzte Weiß mit einem Bauernopfer alles auf eine Karte, und Schwarz griff am Ende fehl und geriet unter die Hufe der Springer.
Zwischenstand 1:3. Das sah nicht gut aus für die Hamburger.
Ebenso kläglich endete London an 8, doch Schwarz verlor sehr ungeschickt einen Bauern. Er konnte aber recht schnell ein Turmendspiel daraus machen, und die sind ja alle remis. Außer die gewonnenen, die sind verloren. (Die Engine sowie Endspielgott HR schreien entsetzt auf: 51...Te1? (Kf7!) 52.Txa2 Txe4 53.Ta6? (Tf2!) - da wurde ein später wichtiger Halber hin- und hergereicht.)
Dafür lächelte an 4 zur Abwechslung Frau Zeitnot mal Pauli zu: Nach wüster Eröffnung (Figur für nur 2 Bauern, einer davon aber ein ziemlich fies aussehender Freibauern), es ging munter hin und her, stellte Schwarz im 40. Zug seine Mehrfigur glatt ein, und mit 3 Mehrbauern ein (Doppel)turmendspiel nach Hause zu bringen war leicht.
Viel Kampfgeist gab es an 7: Unter Brüdern hätte man das Teil längst remis gegeben. Zwischenzeitlich hatte der Paulianer eine versteckte Chance, das Heft an sich zu reißen, aber er ließ sie aus (s.u.) und musste dann doch noch mal alles geben, um das Endspiel zu halten, trotz gleichen Materials.
3:4! Jetzt kam alles auf Brett 6 an. Dort hatte der Paulianer mit einem bis zwei Mehrbauern (wechselnd nach Schlachtenglück) die Chance zum Ausgleich, aber wiederum reichte ein Wurstzug im Turmendspiel, und der Käse war gegessen. Wiederum war Zeitnot im Spiel, aber ich glaube langsam, Turmendspiele sollten mal im Training drankommen...
Alle (auch die vom Gegner) liegengelassenen Punkte eingerechnet war die Niederlage zwar knapp, aber in Ordnung, außer für St. Pauli natürlich. Die kamen aber in der 2. BL und LL jeweils zu knappen 5:3-Siegen.


Wenner-Reuber. Schwarz hat eh leichten Vorteil, aber 1...Da5 war zu lahm. Was sieht reichlich unklar aus, vergrößert aber laut Engine den schwarzen Vorteil deutlich?
In Weiß auf Weiß (zum Lesen den Leerraum unten mit der Maus markieren):
21...dxc4 22.bxc4 Sg4!? 23.hxg4 Txe3! 24.Dxe3 Lxd4. Weiß hat zwar drei Figuren für die Dame, denen mangelt es aber an Koordination, so daß reihenweise Bauern fallen. Eine interessante Stellung zum "Ausspielen" im Training.

Hauke Reddmann